Wir sind nun mehr als einen Monat unterwegs und langsam ist es an der Zeit, ein paar Maschinen Wäsche zu waschen. Je nach den Gegebenheiten vor Ort (Anzahl der Waschmaschinen und Nachfrage danach, Laufzeit der Programme, …) kann das dazu führen, dass man für längere Zeit in der Nähe bleiben muss. Der Camping Didota hat neben Waschmaschine und Trockner auch einen direkten Zugang zum Strand, so dass man diese Zeiten schön nutzen könnte und da die nächsten Tage recht trocken und sonnig werden sollen, steht unser Plan fest.
Auf der Fahrt dorthin schleudert ein vor uns fahrender LKW uns einen Stein in die Windschutzscheibe:

Wir kommen im nächsten Ort just in dem Moment an der Carglass-Werkstatt an, als die Mitarbeiter die Tore schließen, um in die Mittagspause zu gehen. Aber sie sind so freundlich, sich erst noch den Schaden anzusehen. Da er ziemlich weit unten liegt, sind sie nicht sicher, ob eine Reparatur möglich ist oder die ganze Scheibe ausgetauscht werden muss. Aber wenn wir von beiden Seiten Klebeband auf die Stelle kleben, könnten wir beruhigt weiterfahren – selbst wenn die Risse sich etwas ausweiten sollten, kämen wir sicher damit bis nach Hause. Da wir wissen, wie lange es meistens dauert, ein Ersatzteil für unseren Wagen zu bekommen, entscheiden wir uns, es so zu versuchen.
Da man uns bei Carglass außerdem gesagt hatte, es wäre gut wenn die Scheibe beim Parken im Schatten wäre, entscheiden wir uns auf dem Campingplatz für eine Parzelle, über die zwei Pinien etwas Schatten werfen. Die Freude währt allerdings nicht lange, denn kurz nach unserer Ankunft beginnt man damit, diese und einige weitere auf dem Platz zu fällen. Das verändert nicht nur die Optik extrem zum schlechteren – der Krach der Kettensäge im Wechsel mit dem Piep-Piep-Piep, wenn der Steiger bewegt wird, führt dazu dass ich so aggressiv werde, dass ich es am liebsten an jemanden auslassen möchte. Aber das geht natürlich nicht.
Nicht nur der Campingplatz – auch die umliegende Ortschaft ist auf eine Art und Weise vom Tourismus geprägt, die uns erschreckt: Am Strand entlang Bettenburgen im Wechsel mit Spaßbädern und Campingplätzen, bei denen man nicht den Eindruck hat, jemand versucht, es nett zu machen. Wobei es ganz offensichtlich eine Menge Menschen gibt, die es gut finden und regelmäßig herkommen, wie entsprechende Kommentare und Bewertungen erkennen lassen. Ich kann das nicht nachvollziehen …
Selbst der Wochenmarkt passt für mich in dieses Bild: Fast ausschließlich Stände mit Billig-Klamotten und etwas Obst und Gemüse. Das kann auch der – zugegebenermaßen lustige – Straßenkünstler nicht herausreißen:



Während die Wäsche trocknet

wollen wir eine Radtour machen. In Spanien wurden in den letzten Jahren fast 3.000 km stillgelegter Bahnstrecken in Radwege umgewandelt, die so genannten Vias Verdes. Eine davon führt von Orpesa zum Nachbarort Benicassím und als wir ihr folgen entdecken wir – beinahe gegen unseren Willen aber zugleich doch auch tröstlich – schöne Seiten an diesem Ort:




Auf der Karte, die wir uns in der Tourist-Info geholt haben, um die Via Verde zu finden, entdecken wir, dass Orpresa auch einen alten Stadtkern hat und statten ihm auf dem Heimweg einen Besuch ab:








Ein weiteres Fundstück auf der Karte ist ein besonderer Straßenname:

Eigentlich wollte ich hinfahren und ein Foto vom Straßenschild machen aber es sind noch mehr als 5 Kilometer zurück zum Campingplatz. Und genau in dieser Richtung präsentiert sich der Himmel bleigrau, Wetteronline bestätigt die Gewittergefahr. Also trete ich lieber in die Pedale wie seinerzeit Jan Ulrich und es gelingt mir tatsächlich noch, alles trocken wieder ins Wohnmobil zu schaffen 😀.